Finanzierung:

Bei der Frage nach der Finanzierung der Pflege eines Angehörigen ist es sehr wichtig, über alle Ansprüche und Möglichkeiten informiert zu sein.

Da es sich bei der Pflegeversicherung nicht um eine “Vollkaskoversicherung” handelt, muss häufig aus dem privaten Vermögen zugezahlt werden.

Ein Überblick über die Leistungen der Kassen:

 

Geldleistungen:

Die Pflege wird ausschließlich von Angehörigen durchgeführt?

Dann erhalten Sie von der Pflegekasse:

Pflegestufe 0: (bei erheblichem Betreuungsbedarf): 120€ / Monat

Pflegestufe 1: 235€ / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 1 (und erheblicher Betreuungsbedarf): 305€ / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 2: 440 € / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 2 (und erheblicher Betreuungsbedarf): 525€ / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 3: 700 € / Monat (Pflegerische Beratung vierteljährlich *)

* Zum Schutz des Pflegebedürftigen, aber auch als Hilfe für Sie, müssen Sie regelmäßig eine “pflegerische Beratung” durchführen lassen (von einem Pflegedienst Ihrer Wahl, auf Kosten der Pflegekasse).

 

Sachleistungen:

Die Leistungen der Pflegekasse werden ausschließlich für den Einsatz professioneller Pflegedienste eingesetzt?

Dann erhalten Sie:

Pflegestufe 0: (mit erheblichem Betreuungsbedarf): 225€ / Monat

Pflegestufe 1: 450 € / Monat

Pflegestufe 1 (und erheblicher Betreuungsbedarf): 665€ / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 2: 1100 € / Monat

Pflegestufe 2 (und erheblicher Betreuungsbedarf): 1250€ / Monat (Pflegerische Beratung halbjährlich *)

Pflegestufe 3: 1550 € / Monat
Pflegestufe 3 (Härtefälle): 1918 € / Monat

* Zum Schutz des Pflegebedürftigen, aber auch als Hilfe für Sie, müssen Sie regelmäßig eine "pflegerische Beratung" durchführen lassen (von einem Pflegedienst Ihrer Wahl, auf Kosten der Pflegekasse).

 

Kombination von Geld- und Sachleistungen:

Sie möchten, dass ein Pflegedienst nur bestimmte Pflegehandlungen durchführt?

Dann können Sie Geld- und Sachleistungen kombinieren.

Das prozentuale Verhältnis bestimmen Sie selbst.

Das Pflegegeld verringert sich jeweils um den Wert der in Anspruch genommenen Sachleistungen.

Bsp.: Werden nur 75% der Sachleistungen in Anspruch genommen (z.B. durch den Pflegedienst), dann werden noch 25% von den Geldleistungen ausbezahlt.

 

Behandlungspflege:

Leistungen durch einen Pflegedienst wie z.B. Medikamentengabe, Injektionen oder Wundverbände werden von der Krankenkasse bezahlt, wenn sie von einem Arzt verordnet wurden.

 

Tagespflege:

Ihr Angehöriger wird tagsüber in einer Einrichtung gepflegt bzw. betreut?

Dann bekommen Sie ggf. folgende Leistungen.

Pflegestufe 1: 450 € / Monat

Pflegestufe 2: 1100 € / Monat

Pflegestufe 3: 1550 € / Monat

Zusätzlich erhalten Sie 50% der Sachleistungen oder Geldleistungen (siehe oben).

Tipp: Nehmen Sie nur 50% des Tagespflege-Zuschusses in Anspruch, so bekommen Sie weiterhin 100% der Sach- bzw. Geldleistungen.

 

Zusätzliche Betreuungsleistung:

Einen Anspruch darauf haben Menschen, die an Demenz oder einer psychischen Erkrankung leiden.

Sie bekommen einen Betrag i.H. von 100 € oder 200 € pro Monat (je nach Schweregrad), um Betreuung in Form von Tagespflege, Betreuungsgruppen oder stundenweiser Einzelbetreuung finanzieren zu können.

Tipp: Diese Leistung wird schon bei Pflegestufe 0 bezahlt !

 

Ersatzpflege / Verhinderungspflege:

Wenn Sie verhindert sind, die Pflege Ihres Angehörigen durchzuführen (z.B. wegen Krankheit oder Urlaub), zahlt die Pflegekasse bis zu 1550 € im Jahr für einen Ersatz (z.B. Pflegedienst, Pflegeheim).

In dieser Zeit wird die Hälfte des Pflegegeldes bezahlt.

Tipp: Wird die Verhinderungspflege nur stundenweise geleistet (max. 8 Stunden / Tag), dann bekommen Sie das Pflegegeld unverändert weiter.

 

Kurzzeitpflege:

Sie benötigen eine Auszeit oder die Pflege Ihres Angehörigen ist aus einem anderen Grund kurzzeitig nicht möglich?

Dann zahlt die Pflegekasse für die Pflege in einem Pflegeheim bis zu 1550 € (max. 28 Tage).
In dieser Zeit wird kein Pflegegeld bezahlt.

 

Pflegekurse:

Kostenlose Kurse für pflegende Angehörige bieten Pflegekassen und Pflegedienste an.

 

Pflege-)Hilfsmittel:

Pflege- bzw. Krankenkassen finanzieren Hilfsmittel für den alltäglichen Gebrauch (z.B. Rollstuhl, Pflegebett).

Eine Auswahl an Hilfsmitteln finden Sie in der Rubrik → Hilfsmittel.

 

Pflegehilfsmittel zum Verbrauch:

Hierzu zählen z.B. Einmalhandschuhe oder Desinfektionsmittel.

Sie können diese Einkäufe entweder monatlich bis zu 31 € mit der Pflegekasse abrechnen, oder Sie beantragen die monatliche Pauschale i.H.v. 31 €, die Ihnen dann jeweils automatisch überwiesen wird.

 

Hausnotruf:

Ab Pflegestufe I bezahlt die Pflegeversicherung meist den Hausnotruf (Einrichtungsgebühr plus Basisdienst).

Tipp: Fragen Sie vor dem Vertragsabschluss bei der Pflegekasse nach.

 

Versicherungen:

Pflegende Angehörige werden unter bestimmten Voraussetzungen in verschiedenen Bereichen von der Pflegekasse versichert:

– Arbeitslosenversicherung: Infos hierzu bei der Bundesagentur für Arbeit.

- Rentenversicherung: Infos hierzu bei Ihrer Pflegekasse.

- Unfallversicherung: Infos hierzu bei Ihrer Pflegekasse.

 

Wohnungsanpassung:

Für bauliche Veränderungen (z.B. Haltegriffe, ebene Türschwellen) in der Wohnung gibt es von der Pflegekasse Zuschüsse bis zu 2557 € pro Maßnahme.

Beratung hierzu finden Sie beim Landratsamt (siehe unten) oder bei der Pflegekasse.

Ggf. hilft auch die Kreditanstalt für Wiederaufbau mit einem Zuschuss oder Kredit.

Tipp: Warten Sie die Genehmigung ab, bevor Sie mit Baumaßnahmen beginnen!

 

Pflegeheim / stationäre Pflege:

Ihr Angehöriger kann nicht mehr zu Hause gepflegt werden?

Dann bezahlt die Pflegekasse für die stationäre Pflege in einem Pflegeheim:

Pflegestufe 1: 1023 € / Monat

Pflegestufe 2: 1279 € / Monat

Pflegestufe 3: 1550 € / Monat

Pflegestufe 3 (Härtefälle): 1918€ / Monat

 

Weitere Themen:

Angehörige / Elternunterhalt:

Unter Umständen haben Pflegebedürftige Unterhaltsansprüche gegenüber ihren Angehörigen. Siehe in der Rubrik → Elternunterhalt.

 

Schwerbehindertenausweis:

Ggf. besteht ein Anspruch auf einen Schwerbehindertenausweis.
Nähere Informationen und Formulare finden Sie beim Landratsamt.

 

Sozialamt / Sozialhilfe:

Wenn die Pflegekasse nicht zahlt oder deren Zuschuss nicht ausreicht, dann zahlt ggf. auf Antrag das Sozialamt, sofern nur ein niedriges Einkommen / Vermögen des Pflegebedürftigen vorhanden ist.

 

Steuern:

Aufwendungen durch (pflegende) Angehörige können ggf. als “außergewöhnliche Belastungen” bei der Steuererklärung geltend gemacht werden.

Infos dazu hier (unter “Pflegebedürftigkeit” und “Pflege Dritter”).

Weitere Informationen und Beispiele beim Bundesfinanzministerium.
Infos auch von Stiftung Warentest (04/2011).

 

Zuzahlung:

Die Belastungsgrenze für Zuzahlungen beträgt 2 Prozent von den jährlichen Bruttoeinnahmen (bei chronisch Kranken 1 Prozent).

Sobald Ihr Angehöriger über diese Grenze kommt, kann er von weiteren Zuzahlungen im Kalenderjahr befreit werden, oder er bekommt zuviel bezahlte Zuzahlungen nachträglich erstattet.

 

 

Buchtipps zur Finanzierung der Pflege:

Die neue Pflegeversicherung: Der Antrag – die Pflegestufen die Leistungen.
Pflegebedürftig: Der Ratgeber: Für alle Fragen rund um das Thema Pflegeversicherung
Pflegefall – was tun? Leistungen der Pflegeversicherung.
Pflegeversicherung.
Pflegeversicherung: Das sind Ihre Rechte.
SGB XI – Soziale Pflegeversicherung.
WISO Pflegeversicherung.
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