Pflegestufen:



Die Einstufung in eine Pflegestufe ist meist Voraussetzung dafür, dass Leistungen von der Pflegekasse beansprucht werden können.

Die verschiedenen Pflegestufen, Voraussetzungen und Minutenvorgaben machen es Angehörigen aber sehr schwer, den Überblick bei der Einstufung zu behalten.

Daher ist es wichtig, sich vorab ausführlich zu informieren.

 

Die Pflegestufen & Voraussetzungen für die Einstufung:

Langfristigkeit:

Um in eine Pflegestufe eingestuft zu werden muss absehbar sein, dass der Pflegebedarf für länger als sechs Monate besteht.

 

Pflegestufe I (erheblich pflegebedürftig):

1. Hilfsbedarf bei den Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität (Grundpflege):

- mindestens einmal täglich bei zwei Verrichtungen.

2. Hilfsbedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung:

- mehrfach in der Woche.

3. Gesamter Zeitaufwand für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung:

- 90 Minuten täglich. Davon Grundpflege mehr als 45 Minuten täglich.

 

Pflegestufe II (schwerpflegebedürftig):

1. Hilfsbedarf bei den Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität (Grundpflege):

- mindestens dreimal täglich zu verschiedenen Tageszeiten.

2. Hilfsbedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung:

- mehrfach in der Woche.

3. Gesamter Zeitaufwand für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung:

- 3 Stunden täglich. Davon Grundpflege mehr als 2 Stunden täglich.

 

Pflegestufe III (schwerstpflegebedürftig):

1. Hilfsbedarf bei den Verrichtungen in den Bereichen Körperpflege, Ernährung, Mobilität (Grundpflege):

- täglich rund um die Uhr, auch nachts.

2. Hilfsbedarf bei der hauswirtschaftlichen Versorgung:

- mehrfach in der Woche.

3. Gesamter Zeitaufwand für Grundpflege und hauswirtschaftliche Versorgung:

- 5 Stunden täglich. Davon Grundpflege mehr als 4 Stunden täglich.

 

Pflegestufe 0 (eingeschränkte Alltagskompetenz):

Viele Menschen benötigen zwar Hilfe um weiter in der eigenen Wohnung leben zu können, sie erfüllen aber die Voraussetzungen für den Erhalt der Pflegestufe I nicht.

Dies ist z.B. häufig bei Menschen mit Demenz der Fall, die noch körperlich fit sind.

Ein Pflegegeld wir bei Pflegestufe 0 zwar nicht bezahlt, es besteht aber möglicherweise ein Anspruch auf “zusätzliche Betreuungsleistungen” i.H.v 100 € oder 200 € pro Monat (je nach Schweregrad).

Der MDK kann auch die Erforderlichkeit einer vollstationären Pflege im Heim bescheinigen.

Zudem haben pflegende Angehörige Anspruch auf eine vierteljährliche “pflegerische Beratung” durch einen Pflegedienst (wird von der Pflegekasse bezahlt).

 

 

Einstufung in eine Pflegestufe:

Nachfolgend erhalten Sie einen Überblick über den möglichen Ablauf einer Einstufung in eine Pflegestufe.

Dies ersetzt aber nicht die individuelle Beratung durch eine geeignete Beratungsstelle oder den Hausarzt.

Antrag:

Leistungen der Pflegeversicherung werden nur auf Antrag gewährt.

Dieser kann formlos oder per Formular bei Ihrer Pflegekasse gestellt werden.

Die Pflegekasse beauftragt den MDK (Medizinischen Dienst der Krankenkassen), die Pflegebedürftigkeit Ihres Angehörigen zu überprüfen.

Bei Privatversicherten kommt der Gutachter von der Firma Medicproof.

Der Pflegebedürftige wird von einem Gutachter dort besucht, wo er sich gerade aufhält.

Es empfiehlt sich, dass ein (pflegender) Angehöriger oder ein Mitarbeiter eines Pflegedienstes (ggf. kostenpflichtig) bei der Begutachtung (Dauer ca. eine Stunde) dabei ist.

 

Vor der Begutachtung:

Bei der Einstufung in eine Pflegestufe spielt der für Pflege und Betreuung benötigte Zeitaufwand in Minuten die entscheidende Rolle.

Deshalb ist es sinnvoll, 7- 14 Tage vor dem Besuch des Gutachters ein “Pflegetagebuch” zu führen, welches ihm bei seiner Entscheidung helfen kann:

Pflegetagebuch:
Hier sollten Sie den jeweiligen Zeitaufwand für alle Verrichtungen aufführen, die Sie je 24 Stunden für Ihren Angehörigen tätigen.

Falls Ihr Angehöriger bestimmte Tätigkeiten zwar selbst durchführt, Sie aber dabei sein müssen, damit sie (richtig) gemacht werden, so zählt dies hier auch.

Wichtig sind folgende Bereiche:
Körperpflege: Waschen / Duschen / Baden; Zahn-/Mundpflege; Kämmen; Rasieren; Saubermachen nach Toilettengängen / beim Wechseln von Windeln

- Ernährung: Essen und Trinken geben (“füttern”); mundgerechte Zubereitung der Nahrung (Essen klein schneiden); immer wieder zum Essen/Trinken auffordern müssen

- Mobilisation: Aufstehen; Hinsetzen; Umsetzen; Anziehen; Ausziehen; Stehen; Gehen (z.B. zur Toilette); Treppensteigen; Verlassen der Wohnung / Zurückkehren in die Wohnung (z.B. Arztbesuch)

- Haushalt: Einkaufen; Kochen; Spülen; Kleidung/Wäsche wechseln/waschen

Die Vorlage eines Pflegetagebuches finden Sie hier zum herunterladen und ausdrucken.
Vordrucke gibt es auch bei der Pflege-/Krankenkasse.

Zudem sollten Sie alle wichtigen Unterlagen (z.B. Arzt- und Krankenhausberichte, Medikamentenplan) bereithalten.

Die Überlegung, welche Form der Pflegeleistung sie möchten (Geld-, Sach- oder Kombinationsleistungen – siehe unter → Finanzierung), sollten Sie ebenso anstellen.

Weiter müssen Sie und insbesondere der Pflegebedürftige sich im Klaren sein, dass der Gutachter auch sehr intime Fragen stellen wird.

Bei der Beantwortung der Fragen sollte aber keine “Schönfärberei” betrieben, sondern die Dinge so geschildert werden, wie sie sind, auch wenn dies aus Scham oder Stolz schwierig ist.

Denn bei der Bestimmung der Pflegestufe geht es -leider- um jede Minute.

 

Die Begutachtung:

Beim Gutachter handelt es sich meist um einen Arzt oder eine Pflegekraft.

Vor Ort wird dann ein standardisierter Fragenkatalog abgearbeitet.

Bei den Fragen geht es immer darum, was der Betroffene noch selbst kann und wie viel Zeit er und die Hilfsperson für die Verrichtung aller relevanten Tätigkeiten benötigen.

Beantworten Sie daher die Fragen möglichst ausführlich und detailliert.

Dem Gutachter können Sie auch gleich mitteilen, welche Pflegehilfsmittel (z. B. Badewannenlifter, Hausnotruf, Pflegebett, Rollator, Toilettenstuhl, Rollstuhl, Windeln) Ihr Angehöriger benötigt.

Diese Information, sowie das Gutachten und seinen Einstufungsvorschlag leitet der Gutachter an die Pflegekasse weiter.

 

Nach der Begutachtung:

Von der Pflegekasse bekommen Sie entweder einen Einstufungs- oder Ablehnungsbescheid.

Im ersten Fall bekommt der Pflegebedürftige rückwirkend vom Zeitpunkt der Antragstellung die bewilligte Leistung.

Wenn Sie mit der Entscheidung nicht einverstanden sind, haben Sie die Möglichkeit des Widerspruchs:

 

Widerspruch:

Dieser muss innerhalb von vier Wochen bei der Pflegekasse eingelegt werden.

Es empfiehlt sich, eine Durchschrift des Gutachtens anzufordern, um in der notwendigen Begründung des Widerspruchs auf die fragwürdigen Punkte einzugehen.

Holen Sie sich für die Begründung möglichst Unterstützung von einer Beratungsstelle oder einem Pflegedienst (ggf. kostenpflichtig).

Ggf. kommt es nochmals zu einem (für Sie kostenlosen) Begutachtungsbesuch.

Bekommen Sie wieder einen Ablehnungsbescheid, so können Sie vor dem Sozialgericht klagen.

 

Höherstufung:

Wenn sich der Gesundheitszustand Ihres Angehörigen verschlechtert und sich dadurch der Pflegeaufwand erhöht, können Sie bei der Pflegekasse eine Höherstufung in eine höhere Pflegestufe beantragen.

Meist bekommen Sie ein Formular zugeschickt, welches Sie ausfüllen und zurücksenden müssen (Ihre pflegerischen Tätigkeiten, Belastungen, Veränderungen seit der Einstufung, …).

Der weitere Ablauf gleicht dem der Einstufung.

 

 

Buchtipps zu den Pflegestufen / zur Einstufung in eine Pflegestufe:

Der einfache Weg zur Pflegestufe.
Der MDK – mit dem Gutachter eine Sprache sprechen.
Die neue Pflegeversicherung: Der Antrag – die Pflegestufen – die Leistungen.
WISO Pflegeversicherung. Einstufungen. Leistungen. Streitfälle.
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